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Die grüne Insel Föhr
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Inselzuschlag

Das Kaufen im Zeitalter des Internets ist ja so bequem. Man sucht sich Dinge am Schreibtisch aus ohne ein Geschäft zu betreten, kann Preisvergleiche online vornehmen und sich das günstigste Angebot ins Haus liefern lassen. Bei mir war es wieder einmal soweit, alles passte, und die Lieferkosten waren auch in Ordnung. 30 Euro. Doch halt, auf wundersame Weise erhöhten sich die Lieferkosten auf 45 Euro! Auf Nachfrage erhalte ich die Antwort, dass die Lieferung ja nach Föhr gehen solle, und da sei ein Inselzuschlag fällig. Wie ist das möglich? Die Deutsche Post AG hat die gesetzliche Verpflichtung für eine flächendeckende Zustellung zu homogenen Preisen.(*)

Leider gilt das nicht für die private Konkurrenz. Diese pickt sich die Rosinen aus dem zu verteilenden Kuchen um Gewinne zu erwirtschaften und lässt sich weitere Wege, wie auf die Insel Föhr, extra bezahlen. Das nennt sich dann wohl Liberalisierung des deutschen Postmarktes. Wenn erst die DPAG komplett privatisiert ist, sollte man erwarten, dass auch hier die  Verpflichtung für eine flächendeckende Zustellung fallen wird. So etwas passt einfach nicht in eine globalisierte Welt.
Die Folgen werden die ländlichen Bereiche und besonders die Randgebiete ausbaden müssen. Der Föhrer kann sich dann nur damit trösten, dass die Halligen noch ärmer dran sein werden.
Ach ja, neben der Post werden ja auch noch der Energiesektor, der Fernmeldebereich, die Bundesbahn privatisiert. Neben den daraus resultierenden monetären Inselzuschlägen sind ja auch bereit qualitative Abschläge zu spüren: Der Handy-Empfang auf Föhr ist grauenhaft, DSL wird mit jahrelanger Verspätung eingeführt, ebenso für DVBT. Vermutlich wird die Privatisierung der Bahn weitere Nachteile für die Verkehrsanbindung der Insel mit sich bringen.

(*)Nach EU-Recht können die Deutsche Post und andere Ex-Monopolisten vom Staat Ausgleichszahlungen dafür erhalten, dass sie den so genannten Universaldienst aufrechterhalten – also eine flächendeckende Zustellung und Abholung von Briefen auch in wirtschaftlich unrentablen Regionen.

Beitrag von ujuergens | 14. Oktober 2007

2 Kommentare zu “Inselzuschlag”

  1. G.Fischer schreibt:
    18. Dezember, 2007 um 10:19

    Hallo,
    der “Inselzuschlag” passt genau zu meinem Problem. Ich lebe in einem Haus, in dem die Briefkästen innen angebracht sind. Die alte Post hat einen Schlüssel, die “Privaten” nicht (da kann ja jeder kommen!). Nun kommt ein Teil meiner Post nicht mehr an. Zum Beispiel die Post von Vodafone! Leider wohnt bei uns kein Politiker, der uns das ganze eingebrockt hat!

  2. d.bakel schreibt:
    28. September, 2008 um 23:26

    Mir ist einfach unverständlich, wie infrastrukturelle
    Einrichtungen, die nicht aus Gründen der Gewinn-
    erzielungsabsicht, sondern eingerichtet wurden, damit die Bevölkerung eine Grundsicherung (Post,
    Bahn, Fernmeldeeinrichtungen etc.) erhält,
    privatisiert werden konnten und noch können.
    Gerade diese Einrichtungen lassen keine Gewinne
    in Regionen mit schwierigen örtlichen Besonder-
    heiten erwarten. Es springt einem ins Auge,
    dass gerade in den Bereichen, in denen eine Ver-
    sorgung der Bevölkerung nicht aus gewinnwirt-
    schaflichen Gesichtspunkten sondern nur aus
    sozialverträglichen Gesichtspunkten aufrechter-
    halten werden kann und muss, ein Privater An-
    bieter die Versorgung nicht sicher stellen wird.
    Das muss auch unseren Politikern bewusst sein.
    Gehen Bürgerinnen und Bürger zur Wahl, damit
    die Politik die Einrichtungen des Staates verkauft?
    Ist es sinnvoll sich gerade in den Bereichen, die
    keine Aussicht auf Gewinn bieten, dem “Wettbe-
    werb” stellen zu wollen? Mir ist das Schleierhaft.
    Mir wird aber deutlich, dass mehr und mehr
    Bürgerinnen und Bürger nicht mehr an Wahlen teilnehmen, zumal sich zeigt, dass es nicht um
    das Wohl der Wählerinnen und Wähler gehen
    kann. Sonst käme niemand auf die Idee, Bereiche
    zu vernachlässigen. Leider ist immer nur eine
    relativ kleine Region betroffen oder eine relativ
    kleine Berufsgruppe, die sich - auch über die
    Medien - kein Gehör verschaffen kann.
    Es ist leider nicht mehr die Politik, die Politik
    macht.